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Sozialgericht
stärkt die Rechte von Schmerzpatienten:
Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik
behandelt zu werden, er
muß
also nicht
irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren
sondern kann unter Hinweis auf das Urteil
gleich Widerspruch einlegen.
Hier
gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die
Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile
rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu:
http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
Die wichtigsten Schmerzthemen zusammengefaßt:
Arthritis:
http://www.arthritis-information.de Arthrose:
http://www.1-arthrose.de
Armschmerzen:
http://www.armschmerz.com
Atypische Gesichtsschmerzen:
http://www.atypischer-gesichtsschmerz.de
Bandscheibenvorfall:
http://www.bandscheibenvorfall.biz
Beinschmerzen:
http://www.beinschmerz.com
Borreliose:
http://www.bor-reliose.de
Brustwirbelsäulensyndrom:
http://www.bws-syndrom.de
Brennende Füße:
http://www.burning-feet-syndrom.de
CRPS:
http://www.komplexes-regionales-schmerzsyndrom.de
Durchblutungsstörung:
http://www.durchblutungs-stoerung.de
Dorsalgie:
http://www.dorsalgie.com
Fibromyalgie:
http://www.fibromyalgie.at
Fibromyalgiesyndrom:
http://www.fibromyalgiesyndrom.eu
Gelenkschmerzen:
http://www.gelenksschmerzen.de
Gesichtsschmerz:
http://www.gesichtsschmerzen.de
Gliederschmerzen:
http://www.gliederschmerzen.com
Gürtelrose:
http://www.guertelrose.co.uk
Halswirbelsäulensyndrom:
http://www.hws-syndrom.de
Herpes zoster:
http://www.herpes-zoster.eu
Hörsturz:
http://www.gehoersturz.org
Hüftschmerzen:
http://www.xn--hftschmerz-9db.de
Ischias:
http://www.ischias.co.uk
Kausalgie:
http://www.kausalgie.de
Kreuzschmerz:
http://www.kreuzschmerz.org
Leistenschmerzen:
http://www.leistenschmerz.de
Lendenwirbelsäulensyndrom:
http://www.lws-syndrom.de
Lumbalgie:
http://www.lumbalgie.de
Lumboischialgie:
http://www.lumboischialgie.eu
Migräne:
http://www.migraene.cc
Morbus Sudeck:
http://www.morbus-sudeck.de
Muskelschmerzen:
http://www.muskelschmerz.net
Nervenschmerzen:
http://www.nervenschmerz.de
Neuralgie:
http://www.neuralgie.com
Osteomyelitis:
http://www.osteo-myelitis.de
Schleudertrauma:
http://www.schleudertrauma.li
Polyneuropathie:
http://www.polyneuropathie.com
Postzosterische Neuralgie:
http://www.postzosterische-neuralgie.com
Restless legs:
http://www.restless-legs-syndrom.eu
Rückenschmerzen:
http://www.xn--rckenschmerz-dlb.com
Schlaganfall:
http://www.hemialgie.de (Hemialgesie)
Schulterschmerzen:
http://www.schulterschmerz.com
Spinalkanalstenose:
http://www.spinalkanal-stenose.de
Steißbeinschmerzen:
http://www.kokzygodynie.de
Sudeck Dystrophie:
http://www.sudeck-dystrophie.de
Thalamusschmerzen:
http://www.thalamusschmerz.de
Tinnitus:
http://www.tin-nitus.de
Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:
Schmerzklinik (1):
www.schmerzklinik-1a.de,
Schmerzklinik (2):
www.schmerzklinik-1.de
Schmerzklinik (3):
www.schmerzklinik.biz
www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
www.norderney-insel-hotel.de
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Informationen über
Schmerzerkrankungen

KEPHALALGIE
kombinierte Kephalodynia, Kephalalgien
ICD10: R51
Mit dem (schon etwas veralteten) Begriff
"Kephalalgie" bezeichnet der Mediziner Kop
f
schmerzen. Synonyme
(= weitere
Bezeichnungen für die gleiche Krankheit)
sind
Kep
halgie und
Kepha
lodynie bzw. Kephalodynia.
Bei Kephalalgien ist eine genaue
Schmerzanamnese
(= Erhebung der
Schmerzvorgeschichte)
sehr wichtig. Diese erlaubt nicht nur eine exakte Klassifikation
(= Bestimmung der
Kop
fschmerzart),
sondern kann Hinweise auf mögliche organische Ursachen geben und ist dann
richtungsweisend für weiterführende Untersuchungen.
Systematik
(= Einteilung)
der Kephalalgien:
1. Primäre Kephalalgie:
Dieser Begriff bezeichnet
Kop
fschmerzen,
die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische
Grundkrankheit zurückzuführen sind. Sie gelten als eigenständige
Schmerzkrankheiten,
die im Gegensatz zu symptomatischen
(= als Folge einer bekannten Krankheit auftretender)
Kop
fschmerzen
nicht kausal (= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet)
behandelt werden können (Soyka 1989).
1.1
Migräne:
Was die Presse über unsere
Migränebehandlung
berichtet:
www.1-migraene.de/artikel1
Bei der
Migräne
treten in typischer Weise anfallsartige, bevorzugt halbseitige
Kop
fschmerzen
(Hemicrania)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache)
und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) sind letztlich
noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es
hauptsächlich zwei Gruppen: Mig
räne mit und ohne Aura.
Die frühere Einteilung in einfache, klassische und komplizierte Mig
räne wurde aufgegeben.
Die einzelnen Mig
ränetypen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
Migräne
ohne Aura |
|
Mig
räne
mit Aura |
|
Mig
räne
mit typischer Aura |
|
Mig
räne
mit prolongierter Aura |
|
Familiäre
hemiplegische Mig
räne |
|
Basilarismigräne |
|
Mig
räneaura ohne Kop
fschmerzen |
|
Mig
räne
mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische Mig
räne |
|
Retinale
Mig
räne |
|
Periodische
Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Mig
räne |
|
Gutartiger
paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hem
iplegie in der Kindheit |
|
Mig
räne
-Komplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infar
kt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der
Migränekopfschmerzen
ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen
folgen:
- Als typische
Anfangssymptome einer Mig
räne (Aura) gelten Sehstörungen, (halbseitige) sensible und
motorische (=
Bewegung
s-)
Störungen sowie Dysphasie
(=
Sprachausdrucksstörungen). Die
Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
- Eine Mig räne mit
prolongierter
(=
verlängerter) Aura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten
und weniger als eine Woche anhält.
- Bei der familiären
hemiplegischen
(= mit einer Halbsei
tenlähmung
einhergehenden) Mig räne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche
Krankheitszeichen.
- Bei der
Basilaris-Migräne
gehen die Kop
fschmerzen
mit Krankheitszeichen des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen,
sensible oder motorische Störungen, Schwindel).
- Nach Göbel
(1994) ist es umstritten, ob die
Kop
fschmerzen
bei der ophthalmoplegische Mig
räne
(Schmerzattacken,
die mit einer Lähmung der Augenmuskeln einhergehen) überhaupt der Mig
räne zugeordnet werden können.
- Gleiches gilt für die
periodischen Syndrome in der Kindheit (anfallsartiger Schwindel und
abwechselnde
Halbseitenlähmung (Hemiplegie),
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
- Bei der "kindlichen
Mig
räne"
kann auch ein
Bauchschmerz mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich
auch ein Temperaturanstieg, ohne daß
Kop
fschmerzen
vorliegen.
- Bei der retinalen
Mig
räne
sind die Kop
fschmerzen
von einem einseitigen
Gesicht
sfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu einer Stunde
anhalten kann.
- Als Mig
ränkomplikation ist der Status
migraenosus zu nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der
Kop
fschmerzen
von mehr als 72 Stunden, trotz Schmerztherapie.
- Eine weitere
Komplikation ist der migränöse Infar
kt.
Dieser liegt vor, wenn ein ischäm ischer
(= durch Blutmangel bedingter)
Hirninfarkt nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (= anfängliche Krankheitszeichen einer Mig
räne)
nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Schmerztherapie:
Zunächst muß der Patient eingehend über die
Migräneerkrankung
aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Auf
anamnestisch (= aus
der Vorgeschichte) eruierte
auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders
eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so
z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst
Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von
Streß
situationen.
Therapie des akuten Migräneanfalls:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst
frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten, bis das
Vollbild der
Migränekopfschmerzen
eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den ersten
Anzeichen erfolgen.
- Als Mittel der ersten
Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B.
Aspirin) 1-1,5g
- Bei ungenügender
Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch mit Paracetamol (z.B.
ben-u-ron), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder Zäpfchen)
- Nichtsteroidale
Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind gegen
Migränekopfschmerzen
ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate.
Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko
verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt
abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen
werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
- Bewährt hat sich bei
einem stärkeren
Migränekopfschmerz
auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol
- Auch ein
Therapieversuch mit Metamizol (z.B. Novalgin®) ist manchmal
lohnend
- Ein potentes
Therapeutikum bei
Migränekopfschmerzen
ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan (z.B. Imigran®). Initiale Dosierung: 100mg zum Einnehmen
oder 6mg unter die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von Kopfschme
rzen maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über
ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung
der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und
Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für
andere Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migränemittel
nicht den gewünschten Erfolg bringen. Zwischenzeitlich gibt es weitere
Triptane, z.T. auch als (Nase
n-) Spray zum schnelleren Wirkungseintritt: Zolmitriptan (AscoTop
2,5®,) Naratriptan (Naramig®, als Formigran® rezeptfrei),
Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®)
und Eletriptan (Relpax®). Zur Behandlung der hemiplegischen,
ophthalmoplegischen oder
Basilaris-Migräne
sind Triptane allerdings nicht geeignet.
- Ergotaminpräparate
sind klassische
Migränemittel
zur Kupierung eines
Migräneanfall
s, wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz
unproblematisch. Die Gefahr einer Gewöhnung und Auslösung von zusätzlichen
Dauerkopfschmerzen
steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten pro
Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß beim
Migränekopfschmerz
die Verwendung von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll.
- Auf dieser
Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (= in den Muskel) oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
- Besonders bei
ausgeprägten vegetativen Mig
ränebegleiterscheinungen hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®)
(= ein Schlafmittel) sehr
bewährt, auch unter dem Aspekt,
Schmerzmittel
einzusparen, zumal die Patienten in dieser Situation ohnehin das Bedürfnis
haben, sich hinzulegen.
Werden die
Migränekopfschmerzen
von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen
begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist
die Verabreichung von Metoclopramid (z.B. Paspertin®) sehr wirksam, zum
Einnehmen oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid
sollte nicht an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft,
diese Substanz vor einem
Analgetikum (=
Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die
Darm
tätigkeit steigert und somit die Resorption
(= Aufnahme im Darm) weiterer
verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der Dopamin-Antagonist
Domperidon (z.B. Motilium®) verwendet werden, Tabletten oder Tropfen bis zu
30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich bei Mig räne die Verabreichung einer
Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg
Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr
bewährt, bei heftigen Schmerzen zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®).
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) ist bei bereits
voll entwickelten akuten
Kopfschmerzanfall
wenig hilfreich. Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik
in vielen Fällen abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden
müssen.
Wir blockieren vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die
Nerven
supraorbitales (=
Nerven an der Auge nbraue) (je ca.
0,5ml), occipitales major
(= Nerven am
Hinterhaupt) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfe
nregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die
Migränekop
fschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es
sich bewährt, diese Therapie nicht nur auf die aktuell betroffene
Kopf
hälfte zu beschränken.
Wenn heftige
Migräneanfälle
gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer stationären
Therapie schmerzseitige
Blockaden (=
Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Arten die Kopfschme
rzen in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender
Migräneanfall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®), initial zusammen mit 40mg Prothipendyl (z.B.
Dominal forte®), sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g Aspisol® und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen bei Mig
räne bestehen in Reizabschirmung (ruhiges
und verdunkeltes Zimmer).
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente einzunehmen, so
daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung
sollte nur dann erfolgen, wenn eine
Migräneattacke
mindestens zweimal pro Monat auftritt. Nach Göbel und Soyka (1994)
ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens zweimal
ein Status migraenosus, eine prolongierte
(= verlängerte)
Aura oder einmalig ein migränöser Infar
kt (=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
- Als Mittel der ersten
Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig
räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig
räne.
Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide
Substanzen werden langsam einschleichend dosiert. Die tägliche
Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®) beträgt 200mg, für Propanolol
(z.B. Dociton®) 240mg. Bei Ausbildung nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den
Kreislauf betreffende) Störungen
oder einer Bradykardie
(= zu langsamer Puls) muß die Therapie abgebrochen werden (ausschleichend). In der
Einschleichphase müssen daher regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen
durchgeführt werden. Die Wirkungsweise der Beta-Blocker in Bezug auf Mig
räne
ist noch nicht sicher bekannt.
- Zur Intervalltherapie
beim Migränekop
fschmerz eignen sich
auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von Kalzium
entgegenwirkt). Flunarizin (z.B.
Sibelium®) sollte aufgrund einer Bewertung durch das Bundesgesundheitsamt
nur bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und schweren Mig
räneanfällen leiden und bei denen
eine Therapie mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt) ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie
hat sich Cyclandelat (Natil®) zur
Schmerzprophylaxe nicht bewährt.
- Eine weitere
Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) der
Migränekopfschmerz
en besteht in der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die
dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirken).
Pizotifen (z.B. Sandomigran®) hat einen
hemmenden Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der Mig
räne. Lisurid (z.B. Cuvalit®), ein Ergotaminderivat, ist ein
Serotoninpartialantagonist. Die Tagesdosis beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu
anderen Autoren (Soyka 1989) wird diese Substanz bei uns kaum
verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht überzeugt haben.
- Zur
Kopfschmerzprophylaxe
bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten) Mig
räne
soll
Sulpirid (z.B. Dogmatil®) hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel
und Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500
mg Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
- Das Derivat der
Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur
Migräneprophylaxe umstritten. So wird es z.B. in anglo-amerikanischen
Ländern dafür nicht verwendet.
- Zur
Migränevorbeugung
soll auch das Antiepileptikum
(= Mittel gegen die Fallsucht)
Gabapentin (z.B. Neurontin®) eingesetzt werden können.
-
Zur vorbeugenden
Migränebehandlung
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich
ein Mittel gegen die Fallsucht)
Topiramat (Topamax®) zugelassen. Dieses Medikament sollte aber
nur bei Erwachsenen angewendet werden und nur dann, wenn eine Therapie mit
Betablockern nicht indiziert
(= angezeigt)
ist, zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
- Nach einem
Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Mig
räne mit
Aura auch die regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die
Migräneanfälle
gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere vorbeugende Medikamente
(z.B. Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer Erfahrung bei
Migränekop
fschmerzen auch die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären
Bedingungen 2x täglich konsequent durchgeführt wird (Leser et
Hefermann, Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990 1990). Dabei
betäuben wir, wie zur Akutbehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel)
versorgenden
Nerven
an ihren Austrittspunkten. Ergänzt wird die Therapie durch tiefe Infiltration
der oft verspannten, an die
Halswirbelsäule
angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser Therapie ist bei Mig
räne
nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen
Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt
Procain das langwirkende örtliche Betäubungsmittel
Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden
zur Therapie einer Mig
räne:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Therapie)
ist die Wirkung in der
Migränebehandlung in der Regel nicht ausreichend.
- Eine der klassischen
Indikationen für die
Akupunktur sind Kopfschme
rzen. Zur Therapie der
Migränekop
fschmerzen
dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3,
17, 40 und 43, zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann
et al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß auch für die Therapie der
Mig
räne mit
Schmerzakupunktur
(noch) keine wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
- Die transkutane
Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS)
kann, wenn sie bei den ersten Anzeichen einer
Migräneattacke
durchgeführt wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen,
manchmal sogar den Ausbruch einer Attacke verhindern.
- Bei vielen Mig
ränpatienten fällt auf, daß auch im schmerzfreien Intervall die an die
Halswirbelsäule
angrenzende
Muskulatur,
teilweise auch die
Schulter
muskulatur verspannt ist. In diesen Fällen hat sich die Verordnung
von physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango, Kältebehandlung u.a.)
und Krankengymnastik als ergänzende Therapie bewährt.
- Manchmal kann auch
durch eine manuelle Lymphdrainage im
Kopf
-/Halsbereich eine deutliche Linderung der
Migränekop
fschmerzen
erzielt werden.
- Zu erwähnen wäre bei
Mig
räne auch die Hydrotherapie in Form von Wechselbädern der
Extremitäten
(Arme
und
Beine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich beruht der oft zu beobachtende
positive Effekt auf einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines
ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
- Bewährt hat sich bei
Mig
räne auch
Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
- Auch
psychologischen Interventionen können eine Mig räne
lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streß - und/oder
Schmerzbewältigungstraining.
1.2
Spannungskopfschmerzen
(oft auch als Kephalalgie vom Spannun
gstyp
bezeichnet):
Der
Spannungskopfschmerz
von allen genannten Begriffen am wenigsten klar definiert. Der Begriff wird
deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet.
Die Symptomatologie
(= die verschiedenen Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht einheitlich angegeben. Nach Meyer
(1989) ist die Lokalisation der Kop fschmerzen wechselnd,
oft fronto/okzipital
(= im
Stirn
/ Hinterhauptbereich auftretend),
Soyka (1989) dagegen gibt als Schwerpunkt die
Nacken
- und Hinterkopfregion
an. Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf, bohrend und spannend bezeichnet.
In der Regel liegen die Beschwerden beiderseits vor. Nach unseren Erfahrungen
geben die betroffenen Patienten häufig an, die Kop
fschmerzen steigen von der
Hinterkopfregion auf und breiten sich dann diffus bis zu beiden Augenhöhlen
aus.
In der Regel beginnen der Kop
fschmerz vom Spannungstyp
schleichend morgens und steigert sich dann im Verlauf des Tages, meist den
ganzen Tag anhaltend. Teilweise werden aber auch im Tagesverlauf unterschiedlich
lange anfallsartige Schmerzverstärkungen angegeben, manchmal mit (milden)
vegetativen Symptomen (z.B. Übelkeit) einhergehend, so daß auch das Vorliegen
von Migränekop
fschmerzen in Frage kommt.
Bei der Untersuchung ist die Hinterkopfregion beiderseits oft druckschmerzhaft.
Teilweise ist die Kalotte
(= der knöcherne Schädel)
klopfschmerzhaft. Sehr häufig finden sich im Halswirbelsäulenbereich
Muskelverspannungen, diese können auch bis zur Schultermuskulatur reichen.
Fast alle Patienten mit Spannun gskop
fschmerzen geben an, daß Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
nachgelassen hätten. Eine Unterteilung in "episodische
(= von Zeit zu Zeit auftretende)
Spannungskopfschmerzen"
und "chronische
Spannungskopfschmerz
en" erscheint nicht sinnvoll, weil damit lediglich Verlaufsvarianten
beschrieben werden, die sich selbst bei gleichen Patienten häufig abwechseln
können.
Eine Verspannung der perikranialen (= den Schädel umgebenden)
Mus kulatur, wie es dieser Kop
fschmerzbegriff vermuten läßt, ist nicht zwingend. Psychische
Überlagerung, vor allem in Form von depressiver Verstimmung und/oder
psychovegetativer Labilität ist häufig. In der Regel dominiert die
pflichtbewußte und leistungsorientierte Persönlichkeit.
Zur Differentialdiagnose von Kop
fschmerzen (=
zum Herausfinden um welche Kopf
schmerz
form es sich handelt)
eignen sich
Nervenblockaden
(= Nervenbetäubungen). Während einer
regelrechten Blockade der Ner
ven supraorbitales, occipitales majores und minores sowie
auriculotemporales (infiltrativ im
Schläfenbereich)
bleiben i.d.R. Kop
fschmerzen vom Spannun gstyp weg,
nicht aber
vasomotorische
Kephalalgien
(= von Blutgefäßen
ausgehende) oder
posttraumatische
Kephalalgien
(= nach Verletzungen
auftretende Kop
fschmerzen),
sofern diese auf meningeale
(= hirnhautbedingte) Störungen
zurückzuführen sind.
1.3
Trigeminoautonome Ko
pfschmerzen
1.3a
Paroxysmale Hemikranie
(CPH):
Diese Erkrankung
wurde erstmals 1974 beschrieben. Charakteristische Merkmale sind streng
einseitig auftretende
Kopfschmerzanfälle
hauptsächlich im orbitalen
(= die Augenhöhle betreffend),
supraorbitalen
(= die Sti
rn
betreffend) und/oder
temporalen
(= die Schlä
fe
betreffend) Bereich und
einer Dauer von 2 bis 45 Minuten. Die
Schmerzanfälle
treten mindestens 5 mal pro Tag auf. Als Mittel der Wahl gilt auch hier
Indometacin (z.B. Indometacin-Ratio®), alternativ soll das
Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin hilfreich sein.
1.3b
Clusterkopfschmerz
(Cluster-Headache):
Synonyme (=
weitere Bezeichnungen) für diese
eigenständige, von der Mig
räne und der
Trigeminusneuralgie abzugrenzende Kephalalgie
-Art sind:
Erythroprosopalgie,
Bi
ng-Hor
ton-Kop fschmerz,
zil iare
Neuralgie
und N. petrosus-
Neuralgie.
Die Krankheitsursache ist unbekannt.
Hauptsymptom (=
vorherrschendes Krankheitszeichen)
beim Clusterkop
fschmerz ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal
(=
Stirn-/Schläfenbereich
betreffend) in Attacken und
vorwiegend nachts auftretende
Schmerz von
unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen
Stunden. Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend
angegeben. Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und
Rötung des schmerzseitigen Auges, evtl. begleitet von Engstellung der Pupille
und Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie Nasenträufeln als
Begleiterscheinungen.
Manchmal treten bei
Clusterschmerzen
auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der Mig
räne führen kann.
Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Patienten während einer
Clusterattacke eher
unruhig und laufen während dem
Clusteranfall
umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als bei Migränikern.
Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können zur
Verwechslung mit der
Trigeminus-Neuralgie
Anlaß geben. Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B.
Flimmer- und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, Histamin und
Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in
Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest,
um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Therapie der
Clustekop
fschmerzen:
Ein statistischer Erfolgsvergleich unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird
durch die Tatsache erschwert, daß der Clusterkop
fschmerz meist schubartig verläuft, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar
jahrelange schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese Kephalalgie
form. Wie bei den anderen primären (= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende)
Kephalalgien ist es auch bei Cl
us tekopfsch
merzen
oftmals erforderlich, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander
auszutesten, um die optimale herauszufinden.
Therapie akuter Clus
terkop
fschmerzen:
Wegen der häufig kurzzeitigen
Attackendauer kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die innerhalb
weniger Minuten wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen) und rektale
(= Zäpfchen) Verabreichung von z.B.
Ergotam
in ist daher nur bei längerer Anfallsdauer
sinnvoll. Die Einatmung von reinem Sauerstoff über Maske ist eine
bewährte Methode zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über eine
Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil, daß
entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten der Krankenkassen
verordnet werden können.
Im Gegensatz zur akuten Mig räneattacke sprechen akute
Clusterkopfschmerzen
in der Regel auf die
therapeutische Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) an. Bewährt hat
sich die Betäubung der schmerzseitigen Ner
ven supraorbitalis (ca. 1 ml),
supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die
großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im St irn-
/Schläfenbereich. Bei Schmerzausstrahlungen in den
Oberkiefer
muß der Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
der ersten Wahl ist bei uns das langwirkende Bupivacain 0,5% (z.B.
Carbostesin®). In hartnäckigen Fällen führen wir diese Therapie mit gutem Erfolg
konsequent 2 bis 3 mal täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter
stationären Bedingungen durchführbar ist. Auch wiederholte Betäubungen des Auch
wiederholte Betäubungen des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle
im seitlichen Halsbereich) oder
Ganglion cervicale superius
(= eine vegetative
Schaltstelle im hinteren
Rachen)
mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel können beim
Clusterkop
fschmerz sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird auch eine nasale Instillation
(= in die
Nase
eingebracht)
von 1 ml 4%iges Lidocain (z.B. Xylocain®)
(= ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
bei 45 Grad rekliniertem und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem Kop f (Pfaffenrath 1988).
Wirksam ist bei einem
Clusterschmerz auch
Ergotam
in.
Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ergotaminbedingte
Dauerkopfschmerzen
ausbilden können. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch
Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®).
Das
Migränemittel
Sumatriptan (Imigran®, bzw. auch andere Triptane) ist auch bei
Clusterschmerzen
sehr wirksam, insbesondere zur Beschleunigung
der Resorption
(= Aufnahme in den
Organismus) unter die
Haut gespritzt (6 mg) (auch mit Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar)
oder auch als Nasenspray (z.B. Imigran®Nasal), ansonsten 100mg oral
(= durch den
Mund). Bei Wiederauftreten
von Schmerzen maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über
ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit
jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993).
Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane)
allerdings bei Kop
fschmerzen
erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg
bringen.
Prophy
laxe (= Vor beugung) der Clus
terkop
fschmerzen:
- Als Mittel der Wahl
gilt der Calcium-Antagonist Verapamil (z.B. Isoptin®). Dosierung: bis
zu 3-4x 80 mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der
Wirkungsmechanismus von Verapamil bei Clus
terkop
fschmerzen
ist unbekannt.
Neue Dosierung: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei Clus
terkop
fschmerzen
mit gutem Erfolg sehr viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag
(und mehr), initial
(= zu Anfang)
unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle.
- Als Mittel der 2. Wahl
kann bei
Clusterschmerzen
Lithium empfohlen werden (z.B. Hypnorex®, Quilonum®). Lithium soll
bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels beim
Clusterschmerz
wirksam sein.
- In hartnäckigen Fällen
und unter strenger Abschätzung des therapeutischen Risikos im Verhältnis zu
einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Therapie versucht werden, z.B.
mit Prednisolon®. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5- 8 Tag 70mg, dann
jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren.
- Der
Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®)
(= ein Mittel, das dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
kann auch zur
Schmerzprophylaxe
eines
Cluster
s verwendet werden.
- Teilweise wird
empfohlen, zur Prophy
laxe von Clus
terkop
fschmerzen
regelmäßig täglich Ergota
min zu verabreichen. Wegen der
Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit den gefürchteten
Ergotaminkopfschmerz
zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Prop hylaxe der Clus
terkop
fschmerzen
hat sich bei uns auch die wiederholte
therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) wie bei der
Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen
Hinterkopfregion
Schmerzen
angegeben; in diesem Fall blockieren
(= betäuben)
wir dann auch die Ner
ven occipitales major und minor. Optimal ist diese Therapie unter
stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an
Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter
dieser Therapie fallen in der Regel die
Schmerzattacken
zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei
Clus
terkop
fschmerzen:
Anders als z.B. bei der Mig
räne spielen bei Clus terkop
fschmerzen
psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur
allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. ein
Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben bei Clus tekop
fschmerzen
nur selten einen positiven Effekt.
1.3c Beim
(seltenen)
SUNCT-Syndrom kommt es zu 15 bis 120 Sekunden lang anhaltenden, einseitigen
Sch
merzattacken um das Auge herum, begleitet von konjunktivaler Injektion
(= Sichtbarwerden
feiner Blutgefäße im Auge als Folge von Blutfülle),
Lakrimation (=
Tränenfluß) und Nasenträufeln.
Zusätzlich besteht ein gleichseitiges
Gesicht
schwitzen, das aber meist nur gering ausgeprägt ist.
1.4
Primäre
Kephalalgie,
die weder den Mig
räne- noch den Clus
terkop
fschmerzen zuzuordnen ist
Unter diesem Begriff fassen wir scheinbar
eigenständige Kop
fschmerzbilder wie ver tebragene oder
zervikogene
Kephalodynia
(= von der Halswir
belsäule ausgehende Kop
fschmerzen)
oder auch sog. neu aufgetretene Dauerkop
fschmerzen,
Anstrengungskopfschmerzen,
Okzipitalisneuralgie
(=
Nervenschmerz im
Bereich des Hinterkopfes) oder
Hemicrania continua
(= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz)
zusammen.
Allen Formen gemeinsam ist die sehr variablen Krankheitszeichen, so daß eine
eindeutige Diagnosezuordnung in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen,
willkürlich ist. Oftmals ist nicht einmal eine sichere Abgrenzung gegen
Migräne - oder
vasomotorische Kop fschmerzen
(= von Blutgefäßen ausgehende Kop
fschmerzen)
möglich.
Zervikogene Kop
fschmerzen
(vertebragene Kop
fschmerzen):
Der Unterschied zu Kop
fschmerzen vom Spannun gstyp dürfte nur darin bestehen,
daß mit dem Begriff "ve rtebragen"
(= wirbelsäulenbedingt)
lediglich auf eine mögliche Ursache bzw. einen Zusammenhang hingewiesen wird.
Die Schmerzausstrahlung verläuft vom
Nacken aufsteigend
zur
Stirn hin, nicht
selten tritt gleichzeitig ein
Nacken-Schulter-Arm-Syndrom auf.
Okzipitalneuralgie:
Die primäre, idiopath
ische (= als
eigenständige Erkrankung auftretende)
Okzipitalisneuralgie
ist selten. Es treten einseitig einschießende Kop fschmerzen im
Versorgungsgebiet des N. occipitalis major auf (Hinterkopf
bis Scheitelhöhe).
Die Diagnose einer
Occipitalisneuralgie
wird durch eine probatorische
(= zur Klärung der Diagnose durchgeführte)
Nervenblockade mit
z.B. 1-3 ml Mepivacain (z.B.
Scandicain®1%) (=
mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
gesichert. Wie bei der
Trigeminusneuralgie
liegt häufiger eine atypische Form vor, gekennzeichnet durch meist einseitig
auftretende Kop
fschmerzen und längerfristige Schmerzepisoden
bis hin zu
Dauerschmerzen.
Hemicrania continua
(anhaltende
Halbseitenkopfschmerzen):
Diese Kop
fschmerzart soll stets einseitig und seitenkonstant als
Dauerkopfschmerzen
auftreten. Differentialdiagnostisch
(= um herauszufinden um welche Kop fschmerzform es sich handelt)
zu verwerten ist, daß diese Beschwerden nur auf
Indometacin (z.B. Indomet ratiopharm®) ansprechen (Sjastaad 1984).
Vermutlich handelt es sich hierbei ebenfalls um Spannungskop
fschmerzen, allerdings halbseitig
auftretend.
Paroxysmale Hemikranie
(CPH):
Diese Erkrankung wurde
erstmals 1974 beschrieben. Charakteristische Merkmale sind streng einseitig
auftretende
Kopfschmerzanfälle
hauptsächlich im orbitalen
(= die Augenhöhle betreffend),
supraorbitalen (= die
Sti
rn betreffend)
und/oder temporalen
(= die Schlä
fe betreffend)
Bereich und einer Dauer von 2 bis 45 Minuten. Die
Schmerzanfälle
treten mindestens 5 mal pro Tag auf. Als Mittel der Wahl gilt auch hier
Indometacin (z.B. Indometacin-Ratio®), alternativ soll das
Piroxicamderivat Beta-Cyclodextrin hilfreich sein.
Raeder-Syndrom:
Diese
Kop
fschmerzen
sind im Versorgungsgebiet des Nervus ophthalmicus
(= oberer Gesichtsnerv)
lokalisiert. Die Symptomatik ist den Clusterkop
fschmerzen ähnlich.
Neck-tongue-Syndrom (Nacken-Zungen-Syndrom):
Diese Kop
fschmerzen
treten attackenartig einseitig hinterkopfbetont auf und sind von einer
unangenehmen
Hypästhesie (=
herabgesetzte Empfindlichkeit) der
gleichseitigen
Zunge nhälfte begleitet.
Die Ursache des
Nacken-Zungen-Syndrom
s ist nicht eindeutig geklärt, es wird eine Subluxation
(= unvollständige Ausrenkung)
des Atlanto-Axial-Gelenkes
(= das untere Kopfgelenk zwischen dem 1. u. dem 2. Halswirbel, ermöglicht
Drehbewegungen des Kopfes) vermutet (Bogduk
1981). Zur Behand
lung eignet sich eine engmaschige Blockadeserie
des Ganglion cervicale superius
(= eine vegetative Schaltstelle, paarig im hinteren
Rachen
bereich).
Neu aufgetretene
Dauerkopfschmerzen
(engl.: new daily persistent headache):
Unter dieser Kephalg
ieform leiden etwa 0,2 der Bevölkerung.
Die Abgrenzung vom (chronischen)
Spannungskopfschmerz
ist schwierig und auch nicht unumstritten. Auch bei dieser Kephalodynia können
milde migräneartige Begleiterscheinungen auftreten, so. z. B. Photo- und
Phonophobie (= Licht-
und Geräuschempfindlichkeit) oder
auch Übelkeit, allerdings kein (regelmäßiges) Erbrechen. Neu aufgetretene Kop
fschmerzen weisen mindestens zwei der
folgenden Eigenschaften auf:
- beidseitige
Lokalisation,
- drückend oder
einengend, nicht pulsierende
Schmerz
qualität,
- leichte bis
mittelschwere
Schmerz
intensität,
- keine
Schmerzverstärkung durch körperliche Routineaktivität wie z.B. Gehen
oder Treppensteigen.
Ursächlich ist häufig eine vorausgegangene
Infektion (=
Eindringen von Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten in den
Mensch, wo sie haften bleiben und sich vermehren
-n. Roche-). Schon in den ersten Beschreibungen wurde auf einen Zusammenhang mit
Virusinfekten hingewiesen (Vanast et al. 1987).
Die Kopfschmerzbehandlung
erfolgt wie bei
Spannungskopfschmerzen.
Kopfschmerztherapie:
Die Schwierigkeit genereller
Therapieempfehlungen liegt darin, daß
Kop
fschmerzen
in allen möglichen Variationen
auftreten, sowohl hinsichtlich der Intensität als auch der Periodizität
(= zeitliches Auftreten).
Die Kop
fschmerz -Charakteristika sind
nicht nur von Patient zu Patient verschieden, sondern können sich auch im
Verlauf der Erkrankung beim selben Patienten ändern, so daß dann jeweils die
aktuelle Therapie angepaßt werden muß. Hinzu kommt, daß die verschiedensten
Behandlungsmaßnahmen sehr unterschiedlich wirken können. Was bei einem Patienten
wirksam ist, muß dem anderen noch lange nicht helfen, auch wenn scheinbar
Diagnose und Symptomatik (= Krankheitszeichen) übereinstimmen. Letztlich gilt es also, für jeden Patienten eine
optimale individuelle Therapie zu erarbeiten, was sehr zeitaufwendig sein kann.
Medikamentöse Schmerzbehandlung:
Die Therapie der primären (= nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Kop
fschmerzen
mit
Medikamenten ist und bleibt angesichts mangelnder kausaler
(= ursächlicher) Therapiemöglichkeiten eine Notlösung, weshalb im Hinblick auf die
Nutzen-Risiko-Relation die Arzneimittelverordnung ständig überprüft und der
aktuellen Leidenssituation des Patienten angepaßt werden muß.
Genaue Kenntnisse über Nebenwirkungen und Kontraindikationen
(= Gegenanzeigen)
sind für eine optimale Therapie unabdingbare Voraussetzungen. Grundsätzlich
gilt, daß Schmerzmittel möglichst nicht auf Dauer verabreicht werden sollen. Die
Gefahr einer Gewöhnung oder gar Abhängigkeit wird durch Verordnung von
Kombinationspräparaten noch gefördert. Besonders gefürchtete Beimischungen sind
Barbiturate, Kodein und Ergota
min.
Akuttherapie:
Für die Therapie primärer
(= nicht auf eine sonstige
Krankheit zurückzuführende)
Kop
fschmerzen
haben sich folgende Analgetika
(=
Schmerzmittel) bewährt:
Acetylsalicylsäure (z.B. ASS-ratiopharm®, Aspirin®), Paracetamol (z.B. ben-u-ron®)
und sog. nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen (z.B. Brufen®, Dolgit®).
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob
Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon
andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Zusätzlich kann die Gabe eines zentralen Muskelrelaxans
(= ein Mittel zur
Muskelentspannung), z.B. Baclofen
(z.B. Lioresal®) hilfreich sein. Akute Spannun gskop
fschmerzen sprechen auch auf
Ergotamingabe an. Hinsichtlich der Verordnungshäufigkeit bestehen aber die
gleichen Bedenken wie bei der
Migränebehandlung.
Bei unzureichender Wirkung von Acetylsalicylsäure oder Paracetamol kann auch
Metamizol (z.B. Baralgin®, Novalgin®) versucht werden. Die i.v. Applikation
(= in eine Blutader
verabreicht) (langsam) führt zu einem
schnellen Wirkungseintritt. In seltenen Fällen kann allerdings die gefürchtete
Agranulozytose (=
Zerstörung bestimmter Blutzellen)
auftreten.
Alternativ kommt aus der Gruppe der zentral wirksamen
(= im Rückenmark bzw. Gehirn
wirkenden) Schmerzmittel bei
Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp noch Tramadol
(z.B. Tramal®) in Frage, evtl. in Kombination mit einem peripher
(= direkt im Schmerzbereich)
wirkenden Schmerzmittel. Tilidin, selbst in Verbindung mit Naloxon (Valoron N®)
hat nach unseren Erfahrungen immer noch ein gewisses Suchtpotential. Eine
Entwöhnung bzw. ein
Entzug ist manchmal
sehr schwierig.
Opioide oder
Opiate
(= morphinähnliche
Schmerzmittel) sollten eher
zurückhaltend verordnet werden.
Oftmals kann mit der
therapeutischen
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika)
in Form von
Nervenblockaden
(= Nervenbetäubungen) und
Infiltrationen dominanter Schmerzareale prompt Schmerzfreiheit erzielt werden.
Nicht selten ist zu beobachten, daß auch bei einmaliger Anwendung die Wirkung
deutlich über die Wirkdauer des verwendeten örtlichen Betäubungsmittels hinaus
anhält.
Therapie einer subakuten oder
chronische
n Kephalalgie:
Zur Therapie subakuter
(= eher mäßiger) oder chronische r
Kop
fschmerzen
haben sich verschiedene
psychotrope Substanzen (= Mittel, die auf die Psyche einwirken bzw. zu einer
Schmerzdistanzierung führen)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) sehr bewährt. Primär kommen sie dabei wegen ihrer
schmerzdistanzierenden Wirkung zur Anwendung. Maprotilin (z.B. Ludiomil®) kommt
bei uns am häufigsten zur Anwendung und ist wegen der ausgeprägten dämpfenden
Wirkung besonders für unruhige Patienten geeignet. Amitriptylin (z.B. Saroten®)
ist stärker stimmungsaufhellend und mäßig dämpfend. Amitriptylinoxid (Equilibrin®)
ist eine biochemische Vorstufe des Amitriptylins und gilt als besser
verträglich. Doxepin (z.B. Aponal®, Sinquan®) eignet sich zur vegetativen
Harmonisierung, wirkt ausgesprochen depressionslösend und dämpfend. Diese
Substanz eignet sich auch zur Abschirmung eines Arzneimittelentzuges. Die
Dosierung erfolgt generell einschleichend.
Die genannten tri- und tetrazyklischen
Antidepressiva (=
Mittel gegen Depressionen) können
auch im Sinne einer Spannun
gskop
fschmerz -Prop hylaxe
(= Vor
beugung)
eingesetzt werden. Oftmals behalten wir diese Medikation nach einer
erfolgreichen Therapie für weitere 2-3 Monate bei, allerdings in reduzierter
Dosierung (z.B. nur abends).
In hartnäckigen Fällen hat sich die zusätzliche, niedrig bis mittel dosierte
Verabreichung eines
Neuroleptikum
s
(= Mittel zur
Beeinflussung der Psyche) bewährt.
Wir bevorzugen Levomepromazin (z.B. Neurocil®) in der Dosierung 3x3-15 Trpf.
Levomepromazin wirkt psychomotorisch
(= hinsichtlich Psyche und Bewegungsabläufe)
stark dämpfend, so daß es in Kombination besonders mit dem ähnlich wirkenden
Maprotilin vorsichtig dosiert werden muß.
Die Wirksamkeit von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem
Gewebshormon Serotonin entgegenwirken)
wie Methysergid (Deseril®), Lisurid (Cuvalit®) und Pizotifen (z.B. Sandomigran®,
Mosegor®) ist bei Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp durch Studien
bisher nicht belegt. Auch die Wirksamkeit der Beta-Blocker
(= blutdrucksenkende Mittel,
aber auch nachgewiesen hilfreich bei Mig räne) wie z.B. Propanolol
(z.B. Dociton®) und Metoprolol (z.B. Beloc®) ist bei einer
Kephalalgie vom
Spannun
gstyp wissenschaftlich bisher nicht eindeutig nachgewiesen, sie können
dennoch versucht werden.
Besonders bei Vorliegen einer "migränoiden" Begleitsymptomatik
(= z.B. Übelkeit, Licht- und
Lärmempfindlichkeit) ist als letzter
Therapieversuch auch der Einsatz von Triptane denkbar.
Zur Therapie der
Occipitalneuragie
eignen sich Antikonvulsiva
(= Mittel gegen die Fallsucht)
so z.B. Carbamazepin (z.B. Tegretal®). Oft besser wirksam sind aus dieser Gruppe
Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), aber auch erheblich
teurer.
Das Mittel der Wahl bei
Hemicrania continua
(= anhaltender
Halbseitenkopfschmerz)
und bei der paroxysmalen
Hemikranie ist
Indometacin (z.B. Indometacin-hexal®).
Therapeutische Lokalanästhesie bei
chronische
r Kephalalgie:
Die Therapie mit lang wirkenden
Lokalanästhetika
(= örtliche Betäubungsmittel)
(Bupivacain, Etidocain) hat sich in der Therapie primärer
(= nicht auf eine sonstige
Krankheit zurückzuführende) Kop
fschmerzen
sowohl bei akuten als auch bei subakuten oder chron
ische
n Schmerzzuständen bei uns bewährt (Leser
et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei werden
(stationär 1 bis 2 mal täglich) alle Ner
ven, die an der sensiblen Versorgung des
Schmerzbereichs beteiligt sind, an ihrem Austrittspunkt mit 1-2 ml blockiert.
Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis- Region
(= Schläfengegend)
und korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= von Mus
keln und deren
Gewebsumhüllung ausgehende)
Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten Schmerzbildern, auch mit mehr oder weniger deutlicher
Beteiligung der Halswir
belsäule, führen wir in gleicher Sitzung
tiefe Infiltrationen der angrenzenden Mus kulatur mit insgesamt
etwa 4- 6 ml durch.
Bei chron
ische n, halbseitigen
Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp ist auch die
wiederholte Betäubung des
Ganglion stellatum
(= vegetative Schaltstelle im
seitlichen Halsbereich) mit einem
lang wirkenden
Lokalanästhetikum hilfreich. Im chronische
n Stadium, aber auch bei episodenhaften
(= von Zeit zu Zeit auftretenden)
Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp, wenn die
schmerzfreien Intervalle nicht zu lange anhalten (z.B. nicht mehr als 1 Woche),
ist diese Therapie um so wirkungsvoller, je häufiger sie angewendet wird. Als
optimal erwiesen sich zwei Sitzungen pro Tag über einen Zeitraum von ca. 10-20
Tagen, was in der Regel allerdings organisatorisch meist nur stationär möglich
ist. Nicht selten kann eine anhaltende deutliche Schmerzlinderung, oft auch
Schmerzfreiheit, manchmal sogar schon nach wenigen Sitzungen erreicht werden.
Unter einer solchen intensiven therapeutischen Lokalanästhesie kann in der Regel
auch ein
Schmerzmittelentzug erfolgreich durchgeführt werden, sofern das Abusus-
(= Mißbrauch-)
oder Abhängigkeitsverhalten tatsächlich auf eine Schmerzbelastung und nicht etwa
auf ein psychisches Suchtpotential zurückzuführen ist.
Nichtmedikamentöse Therapie bei chronische
r
Kephalalgie:
Wie bei der
Migränebehandlung
werden die folgenden Methoden vorwiegend ergänzend eingesetzt, teilweise sind
sie aber auch unverzichtbare Bestandteile der Gesamttherapie.
- Bei der Punkteauswahl
zur
Akupunktur dominiert das Lenkergefäß, ein Meridian, der hinter dem
After beginnt
und sich über die Spitze der Dornfortsätze der
Wirbelsäule,
über die Schädelmitte bis zur Oberlippe erstreckt. Empfohlen werden
hauptsächlich die Punkte 19, 23 und 25; zusätzlich Punkte des
Gallenblasen-Meridians im Kopfbereich, so z.B. 3 und 20 (Kossmann et
al. 1986).
- Auch die
transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat sich bei
Kop
fschmerzen
bewährt. Mit dieser Methode lassen sich häufig Schmerzm
ittel einsparen, oftmals kann auf
zusätzliche Schmerzmitteleinnahme sogar verzichtet werden.
- Wenn
Kop
fschmerzen
mit Störungen im Bereich der Halswir
belsäule einhergehen, ist in der Regel die Verordnung von
physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango, Wärmeapplikationen usw.) sowie
Krankengymnastik hilfreich. Besonders zu empfehlen sind
Autoelongationsübungen.
- Manchmal kann auch
durch eine manuelle Lymphdrainage im Kop
f-/Halsbereich eine deutliche
Verbesserung erzielt werden.
- Bewährt hat sich auch
die wiederholte oberflächliche Kältebehandlung im Nack en-/HWS-Bereich,
evtl. auch unter Einschluß der angrenzenden
Schulter
muskulatur.
- Im Rahmen einer
Kurmaßnahme ist bei
Kop
fschmerzen
auch eine Hydrotherapie in Form von Wechselbädern und / oder
Kneippschen Güssen empfehlenswert.
- Auch
Biofeedback
(= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
kann hilfreich sein.
-
Auch bei chronische
n Kop
fschmerzen
hat sich die Vermittlung von Entspannungstechniken (Progressive
Relaxation nach Jacobson, Autogenes Training) sehr bewährt. Bei
streß
induzierter
Kephalalgie ist
ein
Streßbewältigungstraining
hilfreich.
2.
Sekundäre
(symptomatische)
Kephalalgie:
Dieser Begriff bezeichnet
Kop
fschmerzen,
die als Symptom auf eine faßbare organische oder psychische Ursache
zurückzuführen sind. Die schematische Gliederung der möglichen Ursachen
orientiert sich der besseren Übersicht wegen im folgenden am Symptom "Kop
fschmerzen".
2.1.
Kephalalgie als
(zunächst) einziges
Symptom:
Diese Gruppe umfaßt mögliche
Ursachen, bei denen typischerweise
Kop
fschmerzen
überhaupt oder zunächst als einziges Krankheitszeichen auftreten.
Differentialdiagnostisch (= zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen)
wichtig innerhalb dieser Gruppe: "Ps
ychogene"
Kephalalgien.
Nach Soyka (1989) gibt es kein spezifisch psychogenes
(= rein psychisch bedingtes)
Kopfschmerzsyndrom.
Das "Ad-Hoc-Commitee" definierte die "psychogenen"
Kop
fschmerzen
als halluzinatorische Sinnestäuschung oder Ausdruck einer Konversionsneurose
ohne peripheren Schmerzmechanismus. Die Kritik an dieser Definition setzt bei
letztgenanntem Kriterium ein, gibt es doch
primäre Kephalalgien,
bei denen auch kein peripherer Schmerzmechanismus bekannt ist. Insgesamt gesehen
dürften rein psychogen verursachte
Kop
fschmerzen
relativ selten sein, wenngleich wir ihn in der Klinik recht häufig sehen (ca.
3-4% aller Patienten mit chronische
n Kop
fschmerzen).
Dies ist jedoch darauf zurückzuführen, daß sich in einer
Schmerzklinik
naturgemäß Patienten mit therapieresistenten
Kop
fschmerzen
häufen.
2.2.
Kephalalgien als
Begleitsymptom
(= zusätzlich auftretendes Krankheitszeichen):
Neben Kop
fschmerzen
sind in der Regel weitere Symptome für die exakte Diagnose richtungsweisend. Die
Kenntnis der möglichen Krankheitsbilder ist allerdings wichtig, da manchmal auch
in untypischer Weise
Kop
fschmerzen
als zunächst einziges Symptom auftreten können. Außerdem gilt es, andere
Begleitsymptome nicht zu übersehen.
2.2.1
Arteriitis temporalis
(Arteriitis
cranialis) (= En
tzündung der
Schläfenschlagader): Ursache ist die
Riesenzellarteriitis (Riesenzellenarteriitis),
die vorwiegend neben der A. temporal is
(= Schlagader an der Schlä
fe)
auch die A. carotis externa
(= äußere Halsschlagader) und die A.
centralis retinae (=
Schlagader im Auge) befallen kann.
Die anhaltend bohrende, in ihrer Intensität wechselnde
Kephalalgie,
hauptsächlich im Schläfenbereich, tritt meist im Rahmen eines allgemeinen
Krankheitsgefühls auf. Häufig bestehen auch
Muskelschmerz und
Gelenkschmerz. Anhaltende
Schläfenschmerzen
sprechen relativ gut auf wiederholte Infiltrationen im Ausbreitungsgebiet des N.
auriculotemporalis mit lang wirkenden
Lokalanästhetika
(= örtlichen Betäubungsmittel) an.
Bei Befall der Kaumuskulatur tritt die typische Claudicatio mastica
toria (= Kaumuskelschwäche) auf. Die Blutsenkung ist regelmäßig stark erhöht.
Schon der Verdacht auf eine Ar teriitis temporalis
zwingt wegen der Gefahr der Erblindung (Befall der A. centralis retinae) zur
sofortigen Kortisonbehandlung. Der Nachweis der Krankheit erfolgt histologisch
(= durch Gewebeuntersuchungen).
2.2.2 Folgende internistische
Krankheiten können, wenn auch relativ selten, mit Kephalalgien
einhergehen:
Schilddrüsendysfunktion, Nebenniereninsuffizienz, Hypoglykämie,
Hyperparathyreoidismus, Hypophysenadenom, Anämie
(= Blutarmut), Panzytopathien,
Leukämien,
Angina pectoris, Aorteninsuffizienz.
2.2.3 Exogene Intoxikationen
(= durch äußere
Ursache entstandene Vergiftungen) (Soyka
1980):
Eine Vielzahl von Noxen
(= schädliche Substanzen)
können Kop
fschmerzen
auslösen. Manche Autoren (z.B. Bing 1948) bezeichnen dieses Schmerzbild
als vasomororische
Kephalalgie
(= von den
Blutgefäßen ausgehende Kop
fschmerzen).
Die Schmerzsensationen nehmen meist innerhalb von Stunden zu, der
Schmerzcharakter wird oft als dumpf, bohrend und pulsierend angegeben. Häufige
Lokalisation: hinter den Augen, an St
irn, Sch
läfen und ringförmig um den ganzen Schädel. Die
Schmerzdauer hängt von der Dauer der Exposition
(= Zeitdauer der
Gifteinwirkung) ab.
Häufig liegt auch eine Mitbeteiligung des autonomen
(= unwillkürlichen)
Nervensystems in Form von Herzsensationen, Hyperhidrosis
(= starkes Schwitzen)
oder Schwindelgefühl vor. Die Vorgeschichte zeigt häufige Wiederholung des
Beschwerdebildes.
Medikamente.
Bei dieser Gruppe treten
Kop
fschmerzen
als Begleitsymptom oft schon in therapeutischer Dosierung auf, so daß man dann
allenfalls von einer relativen Intoxikation
(= Vergiftung) sprechen kann.
Folgende Wirkstoffe sind besonders zu erwähnen: Tetrazykline, Nitroglyzerin,
Nalidixinsäure und Indometacin. Nicht selten klagen Frauen über eine
Kephalalgie bei
gleichzeitiger Kontrazeptiva- Medikation
(= Antibabypille).
Vitamin A -Überdosierung, oft als Folge einer Selbstbehandlung, ist ebenfalls zu
erwähnen.
Auch
Schmerzmittelmißbrauch
kann auf Dauer zu Kephalalgien (Schmerzmittelkopfschmerzen,
Analgetikakopfschmerzen)
führen. Häufig werden sogenannte "rezeptfreie" Schmerzmittel im Rahmen einer
Selbstbehandlung bevorzugt. Verstärkend wirken
Tranquilizer (=
Mittel zur Beruhigung) oder
barbiturathaltige Arzneimittel.
Die sog. kritische kumulative Wochendosis (= Menge die sich in einer Woche anhäuft),
bei deren Überschreiten die Ausbildung eines durch Medikamente hervorgerufenen
Kop fschmerzes droht, beträgt für
Koffein 340 mg, Barbiturate 210 mg, Paracetamol 1875 mg, Pyrazolonderivate 1025
mg, Codein 60 mg und für ASS (= bekannt als Aspirin)
1750 mg (Diener 1993). Es ist zu bedenken, daß sich hinter der Diagnose "Schmerzmittekop
fschmerzen" auch eine Mig
räne,
Kephalalgien vom Spannun
gstyp oder sogar
Kombinationskop
fschmerzen verbergen können.
Der
Entzug von
Schmerzmittel
verursacht häufig die typischen
Entzugskopfschmerzen,
die etwa zwischen 3 und 10 Tagen anhalten. Meist bestehen vegetative
Begleitsymptome wie Schwindel, Übelkeit, Schlaflosigkeit, aber auch innere
Unruhe. Auffallend ist, daß Schmerzm ittelkop
fschmerzen
ungleich häufiger bei Patienten auftreten, bei denen die ursprüngliche
Schmerzquelle, wegen der Schmerzmittel überhaupt eingenommen wurden, ebenfalls
Kop
fschmerzen
sind. Diese Beobachtung läßt vermuten, daß Patienten mit chronische
n
Kop
fschmerzen
hinsichtlich der Ausbildung eines Schmerzm
ittelkop
fschmerzes deutlich empfindlicher reagieren als
Patienten, die wegen anderer, nicht im Kop f lokalisierter,
chronischer
Schmerzsyndrome
einen
Schmerzmittelabusus
betreiben.
Ähnliches gilt auch für die Analget ikaen
tzugs
kop fschmerzen. Diese sehen wir
hauptsächlich bei Patienten mit vorbestehenden, chronische
n Kop
fschmerzen.
Ergotaminmißbrauch
führt ebenfalls zu Dauerkop
fschmerzen, die sich bei Migränikern dem ursprünglichen Schmerzbild aufpfropfen,
wodurch Kombinationskop
fschmerzen entstehen. Die sog. kritische kumulative Wochendosis
(= Menge die sich in einer Woche anhäuft)
liegt für Ergotamintartrat bei 5 mg und für Dihydroergotamin bei 7 mg (Diener
1994). Der
Entzug von Ergotam
in verursacht analog zum
Schmerzmittel-Entzug
ebenfalls Beschwerden, vor allem aber treten in dieser Phase heftigste
Migräneattacken
gehäuft auf.
2.2.4
Posttraumatische
Kephalalgien:
Die sogenannten posttrau matischen
(= nach einer Verletzung auftretenden)
Kop
fschmerzen
können prinzipiell nach jeder Verletzung im Kop
f-/Nackenbereich auftreten. Weder die Art der Verletzung noch das Ausmaß
der Gewebsdestruktionen korrelieren mit der Intensität und der Dauer dieser
Kop
fschmerzen.
So kann ein vergleichsweise harmloses
Schleudertrauma
(Beschleunigungstrauma,
Beschleunigungsverletzung,
Peitschenschlagsyndrom)
ohne objektivierbare krankhafte Veränderung zu heftigsten
Kop
fschmerzen
führen, während Patienten mit einem ausgedehnten Schädelbasisbruch nach
Ausheilung völlig kop fschmerzfrei sein
können. Hinsichtlich Intensität, Periodizität
(= zeitliches Auftreten)
und Lokalisation (= Ort an dem die Schmerzen empfunden werden)
gibt es ebenfalls keine Gesetzmäßigkeiten.
Die posttraumatischen Kephalalgien können sowohl als
Spannungstyp als
auch als Migränekop
fschmerzen oder gemischt, im
Bereich der
Stirn und/ oder am
Hinterkop
f betont, auftreten. Häufiger sehen wir
Patienten, die typische Symptome eines Kop fschmerzes vom Spannun
gstyp angeben, der aber während einer örtlichen Betäubung der den Schädel
versorgenden Ner
ven nicht wegbleibt. In diesen Fällen muß
angenommen werden, daß die Störung von den Hirnhäuten ausgeht, da das Hirngewebe
ja schmerzunempfindlich ist. Besonders ein längerer, verletzungsbedingter
Leidensweg kann die Ausbildung einer psychischen Überlagerung (Hypochondrie,
Neurotizismen) begünstigen.
Eine erwähnenswerte Besonderheit der posttraumatischen
Kop
fschmerzen
ist die dysautonome
Kephalalgie.
Einseitige, attackenartige Schmerzsensationen mit vegetativer Beteiligung,
teilweise auch Mydriasis
(= weite Pupille) und
Sehstörungen, kennzeichnen dieses Schmerzbild.
Therapie der sekundären
(= auf eine Grundkrankheit
zurückzuführenden)
Kephalalgie
n:
Grundsätzlich gilt es, die herausgefundene Schmerzursache ursächlich zu
behandeln bzw. zugrundeliegende Noxen
(= schädliche Stoffe) wegzulassen. Intermittierend
(= zeitweilig),
bis z.B. eine kausale
(= gegen die Ursache
gerichtete) Thera
pie wirksam wird, können Schmerzmittel verabreicht werden.
Kann die ursächliche Krankheit nicht oder nicht mehr erfolgreich therapiert
werden (z.B. fortgeschrittener Hirntumor), können Behandlungsmaßnahmen wie bei
primären Nicht-Mig
räne- oder
Bing-Horton-Kopfschmerzen
versucht werden.
Die Thera
pie bei der
Arteriitis temporalis
(teilweise auch als
Arteriitis cranialis,
Arteriitis granulomatosa,
Riesenzellenarteriitis
oder
Riesenzellarteriitis
bezeichnet) (= En
tzündung der
Schläfenschlagader) besteht in
sofortiger Verabreichung von Kortikosteroiden. Als Einstiegsdosis werden 100mg
Prednisolon täglich empfohlen, jeweils nach 5 Tagen wird dann um 10 mg
reduziert. Der therapeutische Fortschritt kann an der Blutsenkung ersehen
werden.
Wenn ein
Analgetikamißbrauch
(=
Schmerzmittelmißbrauch)
tatsächlich auf ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom und
nicht etwa auf ein eigendynamisches Suchtpotential zurückzuführen ist, besteht
die Therapie der daraus resultierenden
Schmerzmittelkopfschmerzen in sofortigem Absetzen des Schmerzmittels und
nicht etwa in ausschleichender Dosisreduzierung. Da mit dieser Maßnahme ja die
Schmerzquelle, wegen der die Analgetika
(=
Schmerzmittel)
überhaupt eingenommen wurden, nicht ausgeschaltet wird, muß die Therapie
derselben mit anderen Mitteln fortgesetzt werden, denn es macht ja wenig Sinn,
in dieser Situation wieder auf (andere) Schmerzm
ittel zurückzugreifen.
Als alternative Therapie eignet sich in besonderem Maße die wiederholte
Verabreichung eines lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittels (z.B. Bupivacain)
in Form der therapeutischen Lokalanästhesie. Parallel zum En
tzug verordnen wir zur Abschirmung möglicherweise auftretender
vegetativer Entzugserscheinungen Trimipramin (Stangyl®), initial
(= zu Beginn)
i.v. (= in die Blutader).
Nicht selten besteht gleichzeitig auch ein Benzodiazepin-M
ißbrauch. Eine diesbezügliche Entzugssymptomatik kann mit Carbamazepin
oder Valproinsäure behandelt werden (Apelt et al. 1992).
Die En
tzugsbehandlung bei
Analgetikaabusus
(=
Schmerzmittelabusus
bzw. -mißbrauch) erfordert intensive
ärztliche Interventionen, was in der Regel nur im Rahmen einer stationären
Therapie durchführbar ist (Schmerzzentrum,
Schmerzklinik).
"Psychoge
ne"
(= psychisch verursachte)
Kop
fschmerzen sollten stationär psychosomatisch orientiert behandelt werden. Da die
betroffenen Patienten fast regelmäßig auf einer körperlichen Ursache ihrer
Schmerzen "bestehen", ist es nicht sinnvoll, sofort in die Psychotherapie
einzusteigen, man riskiert damit nur, daß der Patient die Therapie abbricht.
Indem wir mit einer täglichen therapeutischen Lokalanästhesie im Kopfbereich
beginnen, geben wir dem Patienten das Gefühl, daß auch wir an die körperliche
Entstehung seiner Schmerzen glauben. Gleichzeitig aber bestehen wir darauf, daß
der Patient an Einzelentspannungsübungen wie z.B. autogenem Training teilnimmt,
was meist auch eingesehen und toleriert wird. Der Psychotherapeut, der auch das
autogene Training durchführt, erhält so die Gelegenheit, die Patienten
kennenzulernen und Vertrauen zu bilden, um auf dieser Basis allmählich in
psychologische / psychotherapeutische Interventionen einsteigen zu können.
Hilfreich ist auch eine 3-4 tägige psychovegetative Entspannung durch eine
sogenannte "Schlafkur". Zur wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg
Flunitrazepam (z.B. Rohypnol ®), zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg
Prothipendyl (Dominal forte ®). Eine weitere Interventionsmöglichkeit bietet die
Verabreichung psychotroper schmerzdistanzierender Substanzen
(= Mittel zur Therapie
der Psyche, aber auch bei Schmerzen hilfreich).
3.
Kombinationskop
fschmerzen:
In der Klinik sehen wir den
Kombinationskop
fschmerz immer häufiger,
wobei eindeutig die Kombination eines primären (= als eigenständiges Krankheitsbild auftretenden)
(hauptsächlich Mig räne) mit
sekundären (= als
Folge einer Erkrankung oder "Vergiftung" auftretenden)
(hauptsächlich Analgetikakop
fschmerzen) Kop
fschmerzen
dominiert. Bei Beteiligung eines Schmerzm
ittelkop
fschmerzes kann oftmals die Ursprungskomponente
erst nach einer En
tzugsbehandlung diagnostiziert werden, weil erst
dann die ursprüngliche spezifische Symptomatik wieder in den Vordergrund rückt.
Kombinationskop
fschmerzen treten fast immer als
Dauerkop
fschmerzen auf.
Die Kombinationen
1. Migräne und Kephalodynia
vom Spannungstyp, wobei die einzelnen Komponenten entweder gemeinsam oder
zeitlich voneinander getrennt auftreten können. Da die Einzelsymptome fließend
ineinander übergehen können, lassen sich nicht in jedem Falle die
Einzelkomponenten trennen. Häufig kommen die Patienten mit der Hilfsdiagnose
"migränoide Kephalalgie"
(= migräneartige Kephalalgien).
2. Mig
räne und Schmerzmittel-/Ergotamin-
Kop
fschmerzen.
Bei dieser Kombination dominiert als zweite
Komponente aufgrund eines Schmerzm
ittel- oder
Ergotaminabusus
(= mißbräuchliche Anwendung von Ergota
min)
ein vasomotor ischer
(= von Blutgefäßen ausgehender)
Schmerztyp, also dumpf und pulsierend. Ein unflankierter
Entzug des
Ergotamins (= in
dem als alleinige Maßnahme das Ergota
min
weggelassen wird) führt häufig
zu statusartigen (= anhaltenden)
Migräneanfälle
n.
3. Spannun
gs-
und Schmerzmittelkop
fschmerzen.
Anamnestisch traten die ursprünglichen
Kop
fschmerzen
vom Spannun gstyp früher sehr
häufig, oft täglich auf und zwangen so zu häufiger Schmerzmitteleinnahme,
wodurch sich schleichend zusätzlich Schmerzm ittelkop
fschmerzen
ausbildeten. Aktuell geben die Patienten meist
Dauerkop
fschmerzen mit wechselnder
Intensität an.
4. Andere Kombinationen sind möglich,
jedoch seltener, so z.B. vertebragene
Kephalalgien (= von
der Halswir
belsäule ausgehende
Kephalalgien) und Schmerzm
ittelkop
fschmerzen.
Therapie des Kombinationskop
fschmerzes:
1. Zur Therapie der Kombination von Mig
räne und Kop fschmerzen vom
Spannun
gstyp
gilt als Mittel der Wahl die parallele Medikation mit einem Beta-Blocker
(= eigentlich ein Blutdruckmittel, wirkt aber auch gegen Mig
räne) und einem
Antidepressivum
(= Mittel gegen
Depression, u.a. aber auch bei Kop
fschmerzen hilfreich).
Wir bevorzugen Propanolol (z.B. Dociton ®), 160-240 mg/d und Maprotilin (z.B.
Ludiomil ®), bis 150 mg/d. Für die akute und subakute Therapie hat sich die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) im Kopfbereich
bewährt. Je nach aktueller Schmerzsituation können auch
Schmerzmittel
verabreicht werden.
2. Bei allen Kombinationen, die mit einem
Ergotamin- bzw.
Schmerzmittelabusus
(= mißbräuchliche
Anwendung von Schmerzmi ttel bzw. Ergo
tamin)
einhergehen, wie die Kombinationen Mig
räne und Ergota min- oder
Schmerzmittelkop
fschmerzen,
steht zunächst die
Entzugsbehandlung
im Vordergrund. Wegen der gefürchteten Entzugskop
fschmerzen sollte die Therapie stationär in einer
Schmerzklinik
erfolgen.
Nach unserer Erfahrung läßt sich ein
Entzug besonders
erfolgreich mit
Trimipramin (z.B. Stangyl ®)
(= ein Mittel primär zur
Therapie
der Psyche, wirkt aber auch
schmerzlindernd) bewerkstelligen. Die
sonst ca. 3-10 Tage anhaltenden En tzugskop
fschmerzen sprechen in der Regel zuverlässig auf die wiederholte (1 bis 2
mal tägliche)
therapeutische Lokalanästhesie
im Kopfbereich an.
Die Therapie mit einem örtlichen Betäubungsmittel ist in dieser Situation die
optimale Lösung, da es wenig sinnvoll ist, den En tzugskopfschmer
z wieder mit (anderen) Schmerzmitteln behandeln zu wollen. Da die
therapeutische Lokalanästhesie
auch zur prophylaktischen
(= vorbeugenden)
Migränetherapie
geeignet ist, tritt die ursprüngliche Mig räne nach einem
erfolgreichen
Entzug oft nur noch
in abgeschwächter Form auf.
Bei nicht ausreichender Wirkung kann immer noch zusätzlich ein Betablocker
(= Blutdruckmittel,
das auch bei Mig
räne hilft)
(z.B. Propanolol) oder ein Serotonin-Antagonist
(= ein dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkendes Mittel)
verabreicht werden.
3. Die Therapie der Kombination Spannun
gs- und Schmerzm ittelkop
fschmerzen
erfolgt analog zu 2. Zunächst beginnt man wieder die Entzugsbehandlung mit
Trimipramin (z.B. Stangyl®) unter dem Schutz einer wiederholten
therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika).
Im Zuge einer stationären Therapie führen wir diese dann 2x täglich noch ca.
10-14 Tage konsequent weiter.
Zur
Schmerzprophylaxe
(=
Schmerzvorbeugung)
des Spannungskop fschmerzes ist die
Einleitung einer schmerzdistanzierenden
psychotropen Medikation
(= Mittel zur Therapie
der Psyche, wirken
aber auch gegen Kop
fschmerzen)
sinnvoll. Dazu tauschen wir dann später Trimipramin (z.B. Stangyl®) gegen
Maprotilin (z.B. Ludiomil®) oder Doxepin (z.B. Aponal®) aus.
4. Vom Prinzip her gelten die beschriebenen
Therapiemaßnahmen auch für andere Kombinationen. Ist eine Komponente ein
Schmerzm
ittel- Kop fschmerz, so erfolgt
immer zunächst der En
tzug danach wird das ursprüngliche Kop
fschmerz-Syndrom behandelt. In der Praxis ist es allerdings oft nicht
einfach, einen Kombinationskop fschmerz zu erkennen, besonders
wenn eine langjährige chronische Verlaufsform vorliegt.
Auch wenn wir nicht sicher sind, daß Schmerzm ittel- (oder
Ergotamin-) Kop
fschmerzen
vorliegt, dies aber aufgrund des aktuellen Medikamentenverbrauchs theoretisch
möglich erscheint, führen wir die beschriebene Entzugsbehandlung durch, wobei
wir die gewohnte, bisherige Schmerzmittelmedikation sofort absetzen. Nicht
selten bleiben Kop
fschmerzen
nach dieser Therapie völlig weg, so daß dann nicht einmal mehr im nachhinein
eine differenzierte Diagnose gestellt werden kann.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung
mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
im Bereich des Kopfes zur En
tzugsbehandlung:
Blockade aller Ner
ven, die an der sensiblen Innervation
(= Versorgung) des Schmerzbereichs
beteiligt sind (infrage kommen die Ner
ven supraorbitales, occipitales majores
et minores), mit 1-2 ml z.B. Bupivacain 0,25-0,5% an ihren Austrittspunkten, 1
bis 2 mal täglich. Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporalis-
Region (=
Schläfenbereich) und
korrespondierende Triggerpunkte
(= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= Mus
keln und deren Gewebsumhüllung
betreffende) Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten
Kop
fschmerzen,
auch mit mehr oder weniger deutlicher Beteiligung der Halswir
belsäule, unabhängig davon wie die
Kop
fschmerzen
nach den obengenannten Kriterien klassifiziert wurde, führen wir in gleicher
Sitzung tiefe Infiltrationen der paravertebralen
(= an die Wir
belsäule angrenzenden)
Mus kulatur mit insgesamt etwa 4- 6
ml durch.
Grundsätzlich sind auch bei den verschiedenen
Kombinationskop fschmerzen nichtmedikamentöse
Therapieverfahren sinnvoll, so z.B. die transkutane
(= über die Haut verabreichte)
elektrische Nervenstimulation mittels Klebeelektroden und
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale),
insbesondere aber auch
psychologische Interventionen (z.B. Erlernen von Entspannungstechniken,
Schmerzbewältigung).
Hier noch eine sehr gute psychologische Literaturempfehlung:
Schmerzen überwinden
(einfach anklicken)

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Aktualisiert: 04.12.2006
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aktualisiert:
>14.01.2007</>
http://www.kephalalgie.de <strong>kombinierte</strong> <strong>kephalodynia</strong>,
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